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| [10] Katastrophenschutz: Hochwassereinsatz |
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Seite 1 von 2 Am Samstag den 08.04.2006 starten erste Einheiten der Feuerwehr Braunschweig zur angeforderten Unterstützung in den LK Lüchow-Dannenberg. Der Fachzug 87 und weitere Einheiten der Feuerwehr sind am Sonntag zur Ablösung der ersten Einheiten ebenfalls ins Katastrophengebiet aus. Der folgende Sonderbericht ist in Tagebuchform geschrieben und soll die Lage vor Ort wiedergeben.
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Aufgrund der Länge des Berichtes kann es zu verzögerten Ladezeiten kommen 10:00 UhrWir treffen uns mit vierzehn Kräfte der Ortsfeuerwehr Ölper am Gerätehaus um das MTF zu beladen. Es wird eine erste Besprechung zum erwartetem Geschehen durchgeführt. Anschließend rücken wir mit dem MTF und dem LF 16-TS zur Hauptwache der Berufsfeuerwehr aus.
Das Löschgruppenfahrzeug dient dabei lediglich als Transportfahrzeug für die Einsatzkräfte zur Hauptwache und rückt nach dem Eintreffen bei der Hauptwache wieder ins Feuerwehrhaus ein. Insgesamt fahren dreizehn Kräfte der OF Ölper zum Hochwassereinsatz mit nach Lüchow-Dannenberg. 10:30 UhrWir haben die Hauptwache erreicht und treffen die ersten Kräfte der anderen Züge und Ortswehren an. Nach und nach treffen auch die anderen Einheiten ein und es bilden sich die einzelnen Lösch- und Fachzüge. Es folgen weitere Einweisungen und Vorplanungen. Es werden uns allen nochmals die Verhaltensgrundsätze für einen solchen Einsatz nahe gelegt.
11:00 UhrDie Führungskräfte versammeln sich im Lehrsaal der Berufsfeuerwehr zur Besprechung. Danach wird auf dem Hof allen Einsatzkräften die Lage erläutert. Mit Bussen sollen wir dann ins Hochwassergebiet eskortiert werden. Das MTF der Ortsfeuerwehr Ölper soll dafür als Vorausfahrzeug eingesetzt werden um bei eventuellen Verkehrsengpässen die Weiterfahrt mit Sonderrechten zu ermöglichen.
12:00 UhrInsgesamt fünf Busse der Braunschweiger Verkehrs-AG treffen auf der Hauptwache ein. Nachdem wir die Busse mit Lebensmitteln und Getränken beladen haben, konnten wir es uns erst einmal auf den Sitzplätzen gemütlich machen. Die Fahrt hat begonnen. Es geht von der Hauptwache aus rechts herum in Richtung Gifhorn. (Siehe Landkarte)
12:55 UhrWir sind nun schon seit fast einer Stunde unterwegs und der Zug, bestehend aus den fünf Bussen und dem Vorausfahrzeug dem MTF der OF Ölper, besetzt mit ca. 120 Kräften, passieren die Ortschaft Groß Oesingen.
13:30 UhrWir erreichen Oldenstadt und können von einer Brücke aus auf den Elbe Seitenkanal blicken. Auf der Landstraße direkt nach dem Ort hält der Zug am Straßenrand und es wird eine kleine Pause gemacht.
13:40 UhrHans-Joachim Gressmann und André Völzke stoßen mit dem Audi A6, dem Wagen des Leitenden Branddirektors, zu dem Zug. Anschließen setzen wir die Fahrt fort in Richtung Dannenberg (Elbe).
14:15 UhrNun endlich erreichen wir Dannenberg (Elbe) und müssen vorerst stoppen. Aufgrund eines Verkehrsstaus kann die Fahrt nicht fortgesetzt werden. Mit Sonderrecht fährt der Audi A6 zur Erkundung vorweg. Die PKW, die sich zwischen den Zug, bestehend aus den fünf Bussen, gesetzt haben, werden auf die Weiterfahrt unter Sonderrechten hingewiesen.
14:20 UhrDas MTF der OF Ölper signalisiert mit Blaulicht und Martinshorn den im Stau befindlichen Fahrzeugen die Weiterfahrt des Zuges. Entgegen der Fahrtrichtung geht es nun weiter.
14:30 UhrAnkunft auf einer Kreuzung in Dannenberg. Mehrere Kräfte von Feuerwehr und Polizei versuchen das Chaos durch den Verkehr zu regeln. Teilweise muss die Polizei uneinsichtige Fahrer des Platzes verweisen. Die Verpflegung wird durch uns entladen und am Straßenrand zwischen gelagert. Es stellt sich jedoch heraus, dass die Brücke nicht zu überfahren ist. Durch das Hochwasser haben sich Risse gebildet und die Brücke war zu diesem Zeitpunkt aufgrund der Einsturzgefahr unpassierbar.
14:35 UhrEs soll weiter nach Lüchow (Wendland) zu einem Sammelplatz gehen. Wir beladen die Busse wieder und die Fahrt geht anschließend zum knapp 18 km entfernten Lüchow weiter. (Siehe Landkarte)
14:50 UhrWir fahren entlang einer Sandsackfüllstation, wo hundert von bestapelten Paletten mit Sandsäcken zu sehen sind. Mit mehreren Hubschraubern, unter anderem der Bundespolizei, werden ganze Sandsackpakete zu den Deichen geflogen. Wir können auch schon erste leicht überspülte Felder sehen.
15:00 UhrIn Lüchow angekommen weisen ortsansässige Feuerwehrleute unsere Zug zum Sammelplatz ein. Direkt daneben gibt es einen kleinen Wochenmarkt und innerhalb kürzester Zeit teilt uns der Pizzaverkäufer mit, dass alles aufgekauft worden sei. Wiedereinmal entladen wir die Busse und warten nun auf das Eintreffen der abzulösenden Kräfte. Diese befinden sich zur Zeit noch auf der anderen Seite der Elbe.
15:35 UhrDie abzulösenden Kräfte treffen ebenfalls in Lüchow auf dem Sammelplatz ein. Sichtlich erschöpft steigen die Kameraden aus den Fahrzeugen und berichten von den Strapazen. Wir wissen nun also, worauf wir uns einstellen müssen. Viel Arbeit und wenig Schlaf.
Der FZ 87 - Wasserförderung übernimmt die Fahrzeuge des Fachzug 86, ebenfalls Wasserförderzug, der Ortsfeuerwehr Innenstadt. Die Ortsfeuerwehr Ölper besetzt das LF 16-TS, den 86-22. Somit besteht der gesamte Zug des Fachzuges 87 aus dem MTF der OF Ölper und den Fahrzeugen der OF Innenstadt einem LF 16, einem LF 16-TS, einem TSF-W und einem weiteren MTF. 16:00 UhrWir bekommen den Auftrag eine Essensausgabestelle herzurichten. Vom GW-V entnehmen wir zwei Bierzelttische. Kurz darauf können auch wir eine warme Mahlzeit zu uns nehmen. Eine Fleischsuppe mit Brötchen und einem Apfel.
16:30 UhrDer Marschbefehl: wir machen die Fahrzeuge abfahrtbereit und erhalten von unseren Zugführern letzte Instruktionen zum Einsatzbefehl. Es soll in die Ortschaft Kapern, nähe Schnakenburg, gehen um dort die bedrohliche Lage zu entschärfen und die Deiche zu sichern. (Siehe Landkarte)
16:35 UhrAbfahrt nach Kapern. Wir verlassen mit dem gesamten Zug die Ortschaft Lüchow. Die abgelösten Kräfte besetzen derweil die Busse und machen sich darauf hin fertig zur Fahrt zurück nach Braunschweig.
17:05 UhrWir erreichen die Ortschaft Gartow und können nun erstmals die Ausmaße des Hochwassers erkennen. Auf beiden Seiten der Straße ist, soweit das Auge sehen kann, Wasser zu sehen.17:10 UhrEinen Ort weiter sind wir nun in Kapern (Schnakenbrug) angekommen. Es geht rechts herum in die Straße "Am Neuen Damm" auf ein Feld, auf dem eine Sandsackfüllstation nahe eines ca. 2,5 km langen Deiches eingerichtet wurde. Die Fahrzeuge der einzelnen Züge wurden auf einer Wiese, einem Sammelplatz, aufgestellt. Vor Ort war auch die Einsatzführung, wie etwa der ELW 2, der 10-60, stationiert. Des weiteren waren auch Kräfte des THW und der Bundeswehr, mit zwei Spähwagen (Fennek) und insgesamt sechs Mann Besatzung, sowie mehrere Landwirte und Bauern mit landwirtschaftlichen Maschinen vor Ort.
17:20 UhrAuf dem vom Grundwasser aufgeweichten Untergrund bleibt das LF 16 der Ortsfeuerwehr Lehndorf stecken. Wir versuchen mit dem LF 16-TS mit Allradantrieb das im Boden versackte Fahrzeug zu befreien und herauszuziehen. Jedoch ohne Erfolg, auch die dazu geschaltete Differenzialsperre hilft dabei nicht.
Mittels dem RW (Bienrode) und dem LF 16-TS ist es dann möglich das LF 16 wieder frei zu bekommen und anschließend bodenfest einzuparken. 17:30 UhrWir machen uns auf zum Sandsäcke befüllen. Vorerst werden rund 5.000 Sandsäcke zur Absicherung eines außer Orts befindlichen Deiches benötigt. Diese werden, nachdem sie befüllt und auf Holzpaletten gelagert wurden, abtransportiert.
18:30 UhrWir legen eine kleine Trinkpause ein. Vom Küchenzelt aus haben wir uns Trinkwasser besorgen können. Kurz darauf ging es dann weiter, Sandsäcke zu befüllen.
Mit Traktoren wurden die fertig bestückten Paletten, mit je circa 25 Sandsäcken, abtransportiert. Radlader brachten je nach Bedarf neuen Sand, der direkt vor Ort ausgehoben wurde. 18:45 UhrEs wird uns mitgeteilt, das weitere 6.000 Sandsäcke für die eigene Deichabsicherung benötigt werden. Der FZ 82 wurde der Weil mit der Aufgabe betraut, den Deich vor Ort abzusichern.
Vom Deich aus sind die gewaltigen Wassermassen zu sehen. Wo man auch hinschaut, es ist überall Wasser zu sehen. Der kleine Fluss Seege, gerade mal so groß wie etwa die Schunter in Braunschweig, ist zu einem gewaltigen See angestiegen. In einer Ecke des Deiches sammelt sich Treibgut ab. Erste Erschöpfung macht sich breit, doch der Gedanke daran, wie viel Arbeit uns noch bevorsteht lässt uns unsere Kräfte noch mal mobilisieren. 19:25 UhrEin Spähwagen der Gattung Fennek macht sich zur Begutachtung des Deiches auf. Ausgestattet mit einer Wärmebildkamera, Infrarot und einem Laserentfernungsmesser können die Pioniere die Deiche auf mögliche Schwachstellen und Risse absuchen.
19:40 UhrIn kleineren Gruppen legen wir eine kleine Pause ein, in der wir die Möglichkeit haben, etwas Süßes und Äpfel im Küchenzelt zu verzehren. Danach lösen wir die noch arbeitenden Kameraden ab und diese können dann ebenfalls eine kleine Pause einlegen, bevor es mit der Befüllung der Sandsäcke vehement weiter geht.
Während der Pause können wir uns den Fennek, einen 10,3 Tonnen schweren Spähwagen, der mit 3 Mann besetzt wird, der Bundeswehr genauer anschauen. Die Soldaten erklären uns dabei, wie die neue Technik, der Fennek ist erst sein 2003 im Einsatz, funktioniert. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 115 bis 130 km/h ist der Fennek auch recht schnell im Gelände unterwegs. Jedoch ist er auf 90 km/h gedrosselt und wird nur im Ernstfall frei ausgefahren. 19:50 UhrDie Führungskräfte (Zugführer) begeben sich zur Lageerkundung. Aufgrund des unwegsamen Geländes ist jedoch die Fahrt mit dem MTF nur kurz Möglich, danach wird ein 3 km langer Fußmarsch zurück gelegt.
20:00 UhrWährend dessen sind die Einsatzkräfte weiter mit dem Befüllen der Sandsäcke und dem Sichern der Deiche beschäftigt.
21:40 UhrDas Technische Hilfswerk leuchtet mit großen Flutlichteinrichtungen die gesamte Einsatzstelle ab und ermöglich es den Einsatzkräften weiter arbeiten zu können.
22:20 UhrWarten auf den Bolzenschneider: nach ungebändigter "Schaufellei" gehen uns die Säcke aus. Um ein weiteres Packet, bestehend aus circa 1.000 Säcken öffnen zu können, wird ein Bolzenschneider benötigt. Das bedeutet für uns, kleine Pause, anschließend weiter Sandsäcke befüllen. Ein Radlader bringt uns den angeforderten Sand.
22:55 UhrDie Nacht rückt immer näher und die Temperaturen sinken immer weiter. Wir beenden die Arbeite und klaren die Fahrzeuge wieder auf und verladen Spaten und Schaufel. Um 23:00 Uhr gibt es dann Abendbrot. Fleischsuppe mit Würstchen, Brötchen und Äpfeln.
Da das Küchenzelt voll besetzt ist, machen wir es uns im Nachbarzelt auf leeren Getränkekisten gemütlich. Der Fachzug 82 rückt zur Unterstützung aus nach Laasche. Wir haben Zeit, ein wenig zu entspannen. Wir besetzen die Fahrzeuge und schalten die Standheizung ein. Kurz darauf dann die Nachricht, dass es in eine Turnhalle zum Übernachten gehen soll. Erleichterung ist in den erschöpften Gesichtern zu erkennen. |
